Warum die Saisonvorbereitung so wichtig ist – die Gefahr der chronischen Rehabilitationsschleife

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Bild © Foto von Quyn Phạm

Was unterscheidet die Saisonvorbereitung vom Rest der Saison?

Es ist die einzige Zeit, in der wir die Möglichkeit haben, uns optimal auf die körperlichen Anforderungen der kommenden Saison vorzubereiten. Schon Fußballspieler auf Amateurniveau müssen bis zu 40 Spiele in einer Saison absolvieren. Das bedeutet: kein einziges freies Wochenende, zusätzliche Spiele unter der Woche. Hinzu kommen 2-3 Trainingseinheiten. Und das alles neben Vollzeitjob und Familie.

Im Profifußball kann die Anzahl zu absolvierender Spiele noch einmal deutlich höher sein und trainiert wird zum Teil mehrmals täglich. Was bedeutet das konkret? Nehmen wir eine Mannschaft aus dem gehobenen Amateurbereich mit drei wöchentlichen Trainingstagen in einer Woche, in welcher ein Ligaspiel und ein Pokalspiel anstehen: Hier kann es nun im Extremfall so sein, dass ein Spieler drei Trainingseinheiten sowie zwei Spiele über je 90 Minuten absolviert. Macht zusammen 450 Minuten höchste körperliche Belastung.

Solch ein Pensum verletzungsfrei und ohne große Leistungseinbußen zu überstehen, funktioniert nur, wenn der Spieler optimal auf solche Belastungsspitzen vorbereitet wurde. Und genau dies ist nur über eine intelligent geplante Saisonvorbereitung möglich.

Trainingsvolumen während der Saisonvorbereitung

Entscheidend für die körperliche Bereitschaft eines Spielers während der Saison ist sein Trainingsvolumen während der Saisonvorbereitung. Der Körper kann nur Belastungen tolerieren, an die er adaptiert ist. Somit muss das Ziel der Vorbereitung lauten, das Trainingsvolumen langsam und kontinuierlich so weit zu steigern, dass die maximal möglichen Belastungen während der kommenden Saison abgebildet werden.

Beziehen wir das auf unseren exemplarischen Spieler, welcher innerhalb einer Woche 450 Minuten intensiver Fußballbelastung ausgesetzt ist. Wenn dieser Spieler in der Saisonvorbereitung maximal zwei Trainingseinheiten pro Woche absolviert hat (180 Minuten/Woche), so wird er nun mit dem 2,5-fachen Belastungsvolumen konfrontiert. Eine Verletzung ist so vorprogrammiert und mit ihr die Gefahr der sogenannten chronischen Rehabilitationsschleife. Diese sieht wie folgt aus:

Ein Spieler verpasst Teile der Saisonvorbereitung (= geringe Trainingsbeteiligung) oder diese ist generell zu kurz und von zu wenig Trainingsvolumen geprägt. Seine körperliche Belastungskapazität ist somit auf einem niedrigen Niveau. Wird er nun mit deutlich höheren Belastungen konfrontiert, ist eine Verletzung beinahe unvermeidbar. Durch eine Verletzung verliert er wiederum Trainingszeit. Er kann erneut keine ausreichende Kapazität aufbauen, um den kommenden Belastungen standzuhalten. Die Folge: Die nächste Verletzung ist nur eine Frage der Zeit. Ein Teufelskreis aus immer weiter steigender Verletzungsanfälligkeit und sinkender Leistungsfähigkeit ist die Folge.

Was lernen wir daraus?

  1. Eine hohe Trainingsbeteiligung ist die Basis für Leistungsfähigkeit und Verletzungsprävention.
  2. Während der Saisonvorbereitung müssen Trainingsvolumen und -intensität kontinuierlich angepasst werden, sodass die Spieler auf die Maximalbelastungen der kommenden Saison vorbereitet sind.
  3. Nach einer Verletzung ist eine intensive Rehabilitation mit sportartspezifischem Rehabilitationstraining und einem professionell gesteuerten Return-to-Competition Prozess dringend notwendig, um die Ausfallzeit zu minimieren und den Spieler mit höchstmöglicher Belastungsfähigkeit zurück ins Mannschaftstraining zu bringen.

Eingereicht von NiklasKabisch am 16.08.23 | Diesen Artikel melden

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